Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
|
Am Ende
Frankfurter Rundschau, 04.03.2006
Die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik
ist zu Ende. Den Schlusspunkt setzte jetzt das Bundesverfassungsgericht.
Individuelle Ansprüche griechischer Überlebender eines
von der SS angerichteten Massakers lassen sich nicht mit dem Völkerrecht
nach der Haager Landkriegsordnung vereinbaren, bestärken die
Karlsruher Richter Auffassungen früherer Instanzen in diesem
Zusammenhang.
Sie bringen damit - zumindest juristisch
- eine Diskussion zum Abschluss, die in den Jahrzehnten nach Ende
des Zweiten Weltkriegs immer wieder, wenngleich mit kontroversen
Akzenten, zur Selbstvergewisserung der Republik gehörte. Fortan
lassen sich weitere Entschädigungsansprüche wohl kaum
mehr erwarten. Am Ende dieses Jahres dürften die Zahlungen
aus dem Zwangsarbeiter-Fonds abgeschlossen sein. Dann ist auch das
Kapitel der so genannten Wiedergutmachungspolitik beendet.
Und doch bleiben schwerwiegende Fragen.
Zum Völkerrecht der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Zur Entschädigungspraxis der Bundesrepublik. Und zum Umgang
mit den Opfern. Denn jenseits der juristischen Auseinandersetzung
ist es ungleich schwieriger, Opfern zu erklären, wo völkerrechtlich
legitimierte Kriegshandlungen enden und Gewaltaktionen gegen Unschuldige
anfangen.
Allesamt Fragen, die weit über das
20. Jahrhundert hinausreichen. Sie gehören zur Erbschaft dieser
längsten Zeit der Gewalt.
Matthias Arning
|